| SKB-Interview mit Torsten und Thoralf |
| Mittwoch, den 17. November 2010 um 00:25 Uhr |
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Das Interview:
Ihr seid zehn Musiker in der Band, Ihr kommt teilweise aus völlig unterschiedlichen Genres: Wie lässt sich Eure Musik miteinander vereinen?
Torsten: Ja, da geht es schon los... Es ist eigentlich das Faszinierende, dass es sich überhaupt vereinen lässt. Diese ganzen Stilrichtungen, die wir wirklich wild zusammenwürfeln. Man kann sich nicht wirklich festlegen. Die erste Frage der Leute lautet meistens: „Was macht Ihr denn überhaupt für Musik?“ Das wird dann schwierig zu beantworten, denn da ist ja alles dabei, von Funksounds, was so eher aus Thoralfs Richtung kommt, wir haben zwei Metal-Nummern dabei, und dann sind es auch wieder so ganz zarte Nummern wie das Schlaflied, das wir vorhin gehört haben. Das Wichtigste ist, denke ich, dass sich die ganze Band damit identifizieren kann und dadurch kriegen wir es ganz gut zusammengefügt.
Was vielleicht noch einmal ganz interessant ist: Ihr habt diese unterschiedlichen Stile, gibt es da in der Band denn Streit um eine Songauswahl oder ähnliches? Wie kann man sich das im Proberaum vorstellen?
Torsten: Eine gute Frage... In der Band gibt es eigentlich keinen Streit. Wenn, dann müssen meist die Dickköpfe wie Thoralf und ich uns einigen. Manchmal gehen da unsere Vorstellungen ziemlich weit auseinander, so dass wir dnn erst einmal ein paar Tage Abstand brauchen. Aber gerade nach den Phasen des Auseinandergehens kam danach wieder ein richtiger kreativer Schub. So haben wir eigentlich in den ganzen letzten vier Jahren gearbeitet. Ich würde sagen, dass es deswegen keinen Streit gibt, aber hin und wieder durchaus andere Vorstellungen. Bis jetzt hat uns das nicht geschadet und irgendwie haben wir es ja nun letztendlich auf die Bühne bekommen.
Zu den Texten: Eure Texte sind ausschließlich deutsch. Du schreibst alle Texte selbst und es sind nicht die typischen Liebessongs, die man so von anderen Bands kennt. Um was geht es hauptsächlich in diesen Texten?
Torsten: Thoralf hat die Mischung vorhin schon ganz gut auf den Punkt gebracht: In manchen Texten geht es sehr ernst zu, wo ich sagen würde, fast Therapieerfahrungen... Bewältigung von Lebenskrisen. Manche sind dabei für mich so emotional, selbst hier im Proberaum noch, dass ich sie nur einmal spielen kann und mich danach erst einmal ein wenig sammeln muss. Ich weiß bis jetzt noch nicht so richtig, wie es mir dann auf der Bühne damit gehen wird... Und dann gibt es aber auch lockere Songs, in denen wir uns nicht so ernst nehmen. Ich denke, diese Mischung macht es dann letztendlich...Du hast selbst gerade gesagt, Krisenbewältigung und Therapieerfahrung. Wenn man diese Songs macht, die viel persönliches verarbeiten, wo zielst Du dann mit der Band hin? Ist es für Dich eher eine schöne Art, seine Freizeit zu verbringen, oder hat man andere Ziele, wie Radioauftritte, deutschlandweiten Bekanntheitsgrad? Was ist für Dich die Band?
Torsten: Mit meiner damaligen Band Fauxpas hatte ich einst ein Publikum, das über viele Jahre gewachsen ist. Dort möchte ich natürlich wieder hin. Ich wünsche mir ein Publikum, das diese Lieder mag, wo wir merken: Das ist unser Publikum. Es kommt wegen uns und nicht, weil wir Vorband von irgendjemand anderen sind. Es geht mir letztendlich immer um den Moment mit dem Publikum, den Menschen in einem Konzert, nicht vorrangig darum, irgendwelche Dinge zu bewältigen. Dafür habe ich dann immer noch meine Schreiberei. Ich schreibe ja auch Bücher, hin und wieder... Zur Bewältigung brauche ich die eigene Musik nicht... (Anm.: vielleicht ein bisschen) Bei Konzerten geht es wirklich nur um den Live-Moment, darum, mit dem Publikum zusammen zu kommen. Studioarbeit ist da eher Stress für mich, das mag ich überhaupt nicht...
Demnächst ist ja das Konzert im HdO. Vielleicht mal ein paar Dinge dazu...
Torsten: Erstmal sind wir ziemlich froh, dass wir im HdO spielen können, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt. Es ist ja immer ziemlich schwer, mit einer großen Nummer, also mit zehn Musikern überhaupt Veranstalter zu finden...
(Torsten scheinen die von Göran, Thoralf und Stefanie schnatternderweise erzeugten Geräusche abzulenken, die aus dem Nebenraum kommen. Er steht auf und schließt die Tür.)
Torsten: Lass uns das nochmal machen. Ich kann das in meinem Alter wohl schlecht filtern und ausblenden... Ich bin da ein bisschen durcheinander...
Also noch einmal das HdO. Wie lange habt Ihr das geplant?
Torsten: Geplant ist es seit dem ersten Gedanken vor über 4 Jahren. Dass der Ort unserer Live-Premiere das HdO wurde, ist letztendlich den Umständen geschuldet, dass wir eher große Bühnen in kleineren Hallen brauchen. Das ist natürlich nicht einfach und zu diesen Zwecken müssen wir im HdO bühnentechnisch sogar an- und umbauen. Wir selbst werden ungefähr anderthalb Stunde spielen. Vorher wird ein Liedermacher auftreten, der Christian Trautmann, der auch sehr schöne Dinge macht. Ich denke, das passt auch vom Kontrast her, dass wir ein eher spartanisches Vorprogramm haben. Die Platzverhältnisse sind trotzdem noch so eng, dass sich das, gerade mit unseren Aufbauten, mit einer anderen Band beispielsweise wahrscheinlich gar nicht hätte vereinbaren lassen können. Genau der Punkt wird es wohl auch sein, der es schwierig machen wird, Auftritte zu bekommen, weil man mit dieser Produktion nicht mal schnell als Vorband irgendwo hineinrutscht und Veranstalter scheuen sich natürlich, gerade bei den Kosten heutzutage, eine unbekannte Geschichte auf die Bühne zu bringen.
Du hast mit Fauxpas eine ganz andere Musik gemacht. Damals war es ja eine richtig harte Schiene, wobei gerade jetzt ja die Texte anders sind und auch die Musikrichtung sich geändert hat. Ihr habt zwar jetzt auch härtere Songs dabei, aber für die Fauxpas-Fans wird es doch wohl ziemlich soft sein. Kannst Du diese Leute von damals immer noch begeistern? Wie nehmen die das jetzt auf?
Torsten: Ich habe unterschiedlichste Reaktionen erlebt. Wir haben ja schon einige Sachen im Internet veröffentlicht. Manche mögen es, andere lehnen es ab, wieder andere sind neugierig. Die Musik hat jetzt einfach ein anderes Niveau. Textlich hat sich gar nicht so viel geändert. Sie sind immer noch ein Seelenstrip. Ich gebrauche weniger Fäkalien, vielleicht... Ich denke, es wird auch Publikum zum Konzert kommen, welches früher Fauxpas gehört hat und ich hoffe, dass sie nicht alle enttäuscht nach Hause gehen...
Puls-T, woher kommt der Name?
Torsten: Der Name war Thoralfs Idee. Eigentlich sollte es ein Name sein, der im Deutschen wie im Englischen gut verwendbar und kurz und prägnant ist. Wir kamen dann irgendwann auf Puls und im Nachhinein wurde klar, dass dieser Name auch passt. Diese Musik ist Leben, ein wichtiges Stück Leben für mich... Das T bleibt unser Geheimnis...
Gut, dann frage ich Thoralf danach...
Thoralf, Puls-T, womit hat der Name zu tun?Thoralf: Der Name selbst hat keine Bedeutung. Im Prinzip ist er eifach ein Wortspiel. Im Nachhinein haben sich dann ein paar Sachen gefügt, wie die Geschichte mit den Impulsen. Im Anfang waren wir auf der Suche nach einem Namen, den man gut aussprechen kann, der im Deutschen funktioniert, eventuell auch im Englischen, ähnlich wie... Nee, das sage ich jetzt nicht... (er meint Tokyo Hotel). Vergleiche nehmen wir mal nicht. Der Name hat keine Bedeutung.
Demnächst kommt Eure erste Platte heraus. „ImPULSe“ wird sie heißen. Vielleicht mal ein paar Worte dazu: Wie kann man sich diese Scheibe vorstellen? Sie beinhaltet ja, wie wir heute schon mehrfach mitbekommen haben, keinen einheitlichen Stil...
Thoralf: Richtig... Wie kann man sie sich vorstellen? Also von der musikalischen Seite ist sie eine Ansammlung von Erfahrungen. Da fließen ganz viele Geschichten ein aus Projekten, die man einmal gemacht hat. Es gibt klassische Einflüsse, Metal-Einflüsse, Funk, elektronische Geschichten, sehr weit gefächert also...
Versucht Ihr, ein bestimmtes Publikum anzusprechen oder seit Ihr ohne Erwartungen und schaut, was passiert?
Thoralf: Wir wollen schon ein Publikum ansprechen, aber es gibt kein bestimmtes Ziel dabei. Die Musik ist nicht auf irgendeinen Markt ausgerichtet oder ähnliche Sachen. Wir machen die Musik so, wie sie die Songs verlangen. Da gibt es keine Vorgaben. Wenn der Song Elektronik braucht, dann bekommt er sie, wenn er eine akustische Gitarre braucht, dann kriegt er sie.
Nun kommen alle bei Euch aus teilweise völlig unterschiedlichen Bandprojekten, teilweise auch aus langjährigen Bands. Warum habt Ihr dieses Projekt gegründet, wo Ihr alle bereits anderswo musikalisch aktiv ward?
Thoralf: Das ist eine gute Frage... Ich habe teilweise mit den Leuten schon Musik gemacht, wie mit dem Gunnar, unserem Schlagzeuger, Thomas, unserem Bassisten, teilweise auch mit den Mädels. Man kannte sich schon vorher, kannte die Qualitäten und es hat auch einfach menschlich gepasst. Deswegen die Band...
Ihr gebt ja demnächst euer erstes Konzert im HdO und in dem Zusammenhang wurde eine Deutschlandtournee betitelt. Das war vielleicht etwas übertrieben von der Formulierung her. Aber mal aus Deiner Sicht: Wo wollt Ihr hin mit Eurer Musik nach der Veröffentlichung der CD? Plant Ihr weitere Konzerte, Auftritte in Radiosendungen, wollt Ihr überregional präsent sein? Wo soll es hingehen?
Thoralf: Zunächst erst einmal wollen wir ein Produkt abliefern, was einen gewissen Qualitätsstandard hat. Das ist das vordergründige Ziel. Natürlich wollen wir sehen, dass wir ein Publikum ansprechen. Es könnte sein, dass wir im Anschluss eine zweite CD machen. Für das erste Album hatten wir knapp 30 Titel. Da liegt also noch genug Material in der Schublade. Es gibt die Idee, zudem auch mit anderen Leuten zusammen zu arbeiten. Wir wollen natürlich auch live spielen, überhaupt keine Frage. Natürlich wäre es schön, wenn eine Tour zu realisieren wäre, es ist aber eine sehr schwierige Sache, dafür Veranstalter zu finden. Ansonsten halt die Träume, die jeder Musiker hat...
Die da wären?
Thoralf: Naja schon viel spielen, viele CDs verkaufen und Begeisterung erzeugen...
Ihr seid ja fast alle arbeitstätig denke ich mal und umfasst eine Alterspanne von 19 bis 49. Das ist ja alles sehr gemischt. Wie sieht es da überhaupt aus? Wie oft kommt man da zum Proben? Das ist ja mit zehn Leuten sicher schwer zu vereinbaren. Manchmal wird das ja schon bei 3 bis 4 Leuten kompliziert...
Thoralf: Wir versuchen das erstmal sehr gut zu strukturieren und vorzubereiten. Wir treffen uns jetzt im Augenblick jedes Wochenende, aber es gab auch Zeiten, in denen wir uns nur einmal im Monat getroffen haben, dann auch zum Beispiel über den Sommer überhaupt nicht. In dieser Zeit hat dann jeder Beteiligte sehr viel zu Hause gemacht. Jeder kommt sehr vorbereitet zu den Proben, so dass sich die Arbeit im Proberaum auf ein Minimum reduziert.
Noch einmal kurz zu Dir: Du hast ja viele Projekte gehabt, ich selbst kenne mehrere, bist Leiter einer Musikschule, da könnte man ja jetzt denken, mit so viel Musik um den Ohren: Warum dieses neue Projekt? Was reizt Dich vor allem, mit diesem großen Projekt zu starten?
Thoralf: Die Möglichkeit, dass man musikalisch sehr viel machen kann. Man ist nicht gebunden, kann ganz viele Sachen ausprobieren, man kann fast alles machen und das hat man bei anderen Projekten äußerst selten. Bei denen ist man dann doch meist eher an bestimmte Stilistik gebunden, hat klare Vorgaben, was ja nicht immer schlecht sein muss. Bei Puls-T reizt mich die musikalische Freiheit eben...
Thema Toleranz: Ihr kommt aus allen unterschiedlichen Musikrichtungen. Wie sieht das in der Band aus, wie vereint man die Leute?
Thoralf: Streit in diesem Sinne gibt es da bei uns eher nicht. Da wir die Sachen vorproduzieren, können sich die Leute eher ein Bild machen, was da am Ende entstehen soll. Die Sachen werden dann entweder genommen oder eben nicht genommen. Es gibt, wie gesagt, auch genug Sachen, die dann eben in der Schublade landen und es erstmal nicht geschafft haben, ins Liveprogramm aufgenommen oder auf die CD gepresst zu werden, aber Streit gibt es da nicht. Natürlich kommen die Leute aus unterschiedlichen Bereichen, sind aber auch sehr flexibel und haben ein großes Spektrum an Musik, was sie selbst hören und auch schon selbst gemacht haben. Insofern gibt es, was diesen Punkt angeht, keine Probleme.
Es war zu lesen, dass Ihr mit Puls-T auch zeigen wollt, dass eben auch in Brandenburger Musikern eine Menge steckt. Wie siehst Du generell Brandenburgs Musikszene? Die hat sich ja im Laufe der Jahre vieles verändert. Es gab damals Bands, die sehr häufig gespielt haben, es gibt viele, die haben aufgehört, es gibt junge Bands, von denen man vielleicht noch nicht so viel gehört hat. Du kennst Dich ja da gut aus. Wie siehst Du die Brandenburger Szene?
Thoralf: Es hat sich in den letzten 10, 15 Jahren viel getan. Ich würde es so sehen, dass es ein Riesenpotential an jungen, kreativen Leuten in Brandenburg gibt. Unser Göran kommt aus Berlin und fühlt sich richtig wohl hier, auch musikalisch, und war total fasziniert von der Brandenburger Szene. Mehr braucht man dazu wohl nicht zu sagen. Ich finde es großartig was hier passiert und natürlich wollen wir zeigen, dass sich Brandenburg nicht verstecken muss und mit einem gesunden Selbstbewusstsein an die Sache herangehen kann. Es gibt wirklich genug gute kreative Menschen in Brandenburg und das nicht nur im musikalischen Bereich...
Bilder: Havelstadt Brandenburg, SKB-TV |

Torsten: Thoralf hat die Mischung vorhin schon ganz gut auf den Punkt gebracht: In manchen Texten geht es sehr ernst zu, wo ich sagen würde, fast Therapieerfahrungen... Bewältigung von Lebenskrisen. Manche sind dabei für mich so emotional, selbst hier im Proberaum noch, dass ich sie nur einmal spielen kann und mich danach erst einmal ein wenig sammeln muss. Ich weiß bis jetzt noch nicht so richtig, wie es mir dann auf der Bühne damit gehen wird... Und dann gibt es aber auch lockere Songs, in denen wir uns nicht so ernst nehmen. Ich denke, diese Mischung macht es dann letztendlich...
Thoralf, Puls-T, womit hat der Name zu tun?





